Erste Hilfe beim Baby: die wichtigsten Notfälle
Von Felix Böhme, Dipl.-Finanzwirt (FH) Aktualisiert am
Ein Notfall mit dem eigenen Kind ist für Eltern ein Albtraum. Wer die wichtigsten Handgriffe kennt, bleibt eher ruhig und hilft schneller. Dieser Ratgeber fasst die Erste Hilfe beim Baby für die häufigsten Notfälle zusammen. Er ersetzt keinen Kurs: Üben Sie die Handgriffe in einem Erste-Hilfe-Kurs am Kind, zum Beispiel bei Hilfsorganisationen oder Familienbildungsstätten.
Kurz gesagt: Im Notfall rufen Sie sofort 112. Verschluckt sich das Baby und kann nicht mehr husten, helfen Rückenschläge und Brustkorbkompressionen. Atmet es nicht normal, beginnen Sie mit der Wiederbelebung. Bei Vergiftungsverdacht berät der Giftnotruf. Ein Kurs gibt Sicherheit.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Notruf 112 – europaweit, kostenlos, auch ohne Guthaben. Sagen Sie, wo Sie sind und was passiert ist.
- Verschlucken: hustet das Baby kräftig, ermutigen Sie es weiterzuhusten. Wird der Husten schwach, bis zu 5 Rückenschläge, dann bis zu 5 Brustkorbkompressionen.
- Bewusstlos und keine normale Atmung: 112 rufen und mit der Wiederbelebung beginnen.
- Vergiftungsverdacht: Giftnotruf Ihres Bundeslandes anrufen, kein Erbrechen auslösen.
- Die Handgriffe lernen und üben Sie am besten in einem Erste-Hilfe-Kurs am Kind.
Erste Hilfe beim Baby beginnt mit dem Notruf
Wählen Sie bei einem Notfall sofort die 112. Sind Sie zu zweit, ruft eine Person an, während die andere hilft. Allein schalten Sie den Lautsprecher ein und beginnen mit der Hilfe, während Sie telefonieren. Die Leitstelle stellt Fragen und leitet Sie an.
- Wo ist der Notfall? (Adresse, Stockwerk, Klingelschild)
- Was ist passiert?
- Wie alt ist das Kind, und wie geht es ihm?
- Warten Sie auf Rückfragen, legen Sie nicht zuerst auf.
Tipp: Hängen Sie die Notrufnummern gut sichtbar auf, zum Beispiel am Kühlschrank: 112, die Nummer des Giftnotrufs Ihres Bundeslandes und die Kinderarztpraxis. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Verschlucken: wenn das Baby keine Luft bekommt
Hustet das Baby kräftig, weint oder bekommt Luft, unterstützen Sie es nur und ermutigen es, weiterzuhusten. Klopfen Sie nicht auf den Rücken, solange es wirksam hustet.
Wird der Husten schwach, kann das Baby nicht mehr schreien oder atmen:
- Rufen Sie laut um Hilfe und lassen Sie 112 wählen.
- Legen Sie das Baby bäuchlings auf Ihren Unterarm, der Kopf liegt tiefer als der Körper, und stützen Sie den Kopf am Kiefer.
- Geben Sie bis zu 5 kräftige Schläge mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter.
- Hilft das nicht, drehen Sie das Baby auf den Rücken, Kopf tiefer, und geben Sie bis zu 5 Brustkorbkompressionen mit zwei Fingern auf der unteren Hälfte des Brustbeins.
- Wechseln Sie Rückenschläge und Kompressionen ab, bis der Fremdkörper heraus ist oder das Baby bewusstlos wird.
Wird das Baby bewusstlos, beginnen Sie mit der Wiederbelebung (nächster Abschnitt). Lassen Sie ein Baby nach Rückenschlägen oder Kompressionen immer ärztlich untersuchen.
Keine normale Atmung: Wiederbelebung beim Säugling
Reagiert das Baby nicht und atmet nicht normal, gilt nach den Leitlinien des German Resuscitation Council für Säuglinge:
- 112 rufen (lassen), Lautsprecher an.
- Kopf in Neutralposition bringen, das Kinn leicht anheben.
- 5 Beatmungen geben: Ihr Mund umschließt Mund und Nase des Babys, sanft so viel Luft geben, dass sich der Brustkorb hebt.
- Dann 15 Brustkorbkompressionen mit zwei Fingern auf der unteren Hälfte des Brustbeins, etwa ein Drittel der Brustkorbtiefe, Tempo 100 bis 120 pro Minute.
- Im Wechsel 2 Beatmungen und 15 Kompressionen weiter, bis Hilfe kommt oder das Baby wieder normal atmet.
Hauptsache, Sie fangen an: Wer nur die Wiederbelebung von Erwachsenen gelernt hat, hilft auch mit dem gewohnten Ablauf. Die Leitstelle unterstützt Sie am Telefon.
Weitere Notfälle: Fieberkrampf, Vergiftung, Sturz, Verbrühung
Fieberkrampf
Bei hohem Fieber kann ein Krampfanfall auftreten. Legen Sie das Kind so, dass es sich nicht verletzen kann, halten Sie es nicht fest und stecken Sie ihm nichts in den Mund. Achten Sie auf die Uhrzeit. Rufen Sie beim ersten Fieberkrampf oder wenn der Krampf länger als einige Minuten dauert die 112.
Vergiftung
Hat das Kind etwas Giftiges geschluckt, nehmen Sie ihm den Rest aus dem Mund, lösen Sie kein Erbrechen aus und geben Sie keine Milch. Rufen Sie den Giftnotruf Ihres Bundeslandes an und halten Sie die Verpackung bereit. Bei Bewusstseinsstörung, Atemnot oder Krampf sofort 112.
Sturz
Ist das Baby vom Wickeltisch oder aus dem Bett gefallen, beobachten Sie es genau. Lassen Sie es ärztlich untersuchen, wenn es bewusstlos war, erbricht, ungewöhnlich schläfrig oder unruhig ist oder anders reagiert als sonst. Im Zweifel 112.
Verbrühung und Verbrennung
Kühlen Sie kleine Verbrühungen sofort einige Minuten mit handwarmem, nicht eiskaltem Wasser. Ziehen Sie durchnässte Kleidung aus, sofern sie nicht an der Haut klebt. Bei größeren Flächen nicht großflächig kühlen, weil Babys schnell auskühlen; dann 112 rufen und das Kind warm halten.
Erste-Hilfe-Kurs am Kind: Sicherheit durch Übung
Die Handgriffe für Säuglinge unterscheiden sich von denen für Erwachsene. In einem Erste-Hilfe-Kurs am Kind üben Sie an Puppen und können Fragen stellen. Kurse bieten Hilfsorganisationen, Familienbildungsstätten und Geburtskliniken an, oft auch für Großeltern und Babysitter. Frischen Sie den Kurs nach einigen Jahren auf.
Häufige Fragen zur Ersten Hilfe beim Baby
-
Was tun, wenn sich das Baby verschluckt?
-
Wie oft drückt man bei der Wiederbelebung eines Babys?
-
Welche Nummer hat der Giftnotruf?
-
Wann sollte ich einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind machen?
Quellen
- German Resuscitation Council: Leitlinien Reanimation
- European Resuscitation Council / GRC: Algorithmus Fremdkörperverlegung
- Deutsches Rotes Kreuz: Erste Hilfe
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Giftnotrufe in Deutschland
Das könnte Sie auch interessieren
Stand: November 2026.