Nabelschnurblut einlagern oder spenden: Für und Wider
Von Felix Böhme, Dipl.-Finanzwirt (FH) Aktualisiert am
Nach der Geburt enthält das Blut in Nabelschnur und Plazenta blutbildende Stammzellen. Nabelschnurblut lässt sich privat für das eigene Kind einlagern oder öffentlich für fremde Patientinnen und Patienten spenden. Die Entscheidung fällt vor der Geburt. Dieser Ratgeber erklärt beide Wege, was für und gegen die private Einlagerung spricht und was Sie mit der Geburtsklinik klären sollten.
Kurz gesagt: Die Entnahme ist für Mutter und Kind schmerzfrei. Öffentlich gespendetes Nabelschnurblut steht Patienten weltweit zur Verfügung und ist kostenlos. Die private Einlagerung kostet Geld; wie oft das eigene Nabelschnurblut später gebraucht wird, wird zurückhaltend eingeschätzt. Wägen Sie in Ruhe ab und klären Sie Ihre Wahl rechtzeitig mit der Klinik.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Die Entnahme erfolgt nach dem Abnabeln aus der Nabelschnur, Mutter und Kind spüren davon nichts.
- Öffentliche Spende: kostenlos, für fremde Empfänger, nur in Kliniken mit Kooperation einer Spenderbank.
- Private Einlagerung: für das eigene Kind oder die Familie, mit Kosten für Entnahme, Aufbereitung und Lagerung.
- Nach heutigem Wissen wird privat eingelagertes Nabelschnurblut selten für das eigene Kind verwendet.
- Entscheiden Sie vor der Geburt und klären Sie mit der Klinik, ob sie die Entnahme anbietet.
Was Nabelschnurblut ist und wie die Entnahme abläuft
Nabelschnurblut ist das Blut, das nach der Geburt in Nabelschnur und Plazenta bleibt. Es enthält blutbildende Stammzellen, wie sie auch bei Knochenmark- und Stammzellspenden übertragen werden, etwa zur Behandlung bestimmter Blutkrebserkrankungen.
Nach dem Abnabeln sticht die Hebamme oder Ärztin die Nabelschnurvene an, und das Blut fließt in einen sterilen Beutel. Für Mutter und Kind ist das schmerzfrei. Das Blut wird dann in ein Labor gebracht, aufbereitet und tiefgefroren gelagert.
Öffentliche Spende oder private Einlagerung
Manche Anbieter verbinden beides: Das Nabelschnurblut wird privat eingelagert, kann aber bei Bedarf auch für andere Patienten freigegeben werden. Fragen Sie nach, wie die Freigabe geregelt ist.
Was für die private Einlagerung von Nabelschnurblut spricht
- Die Stammzellen werden genau einmal gewonnen, eine spätere Entnahme ist nicht möglich.
- Für Geschwister kann eingelagertes Nabelschnurblut passend sein, etwa wenn in der Familie eine Erkrankung bekannt ist, die mit Stammzellen behandelt wird.
- Die Forschung zu weiteren Einsatzmöglichkeiten läuft. Manche Familien sehen die Einlagerung als Vorsorge für künftige Therapien.
- Viele Anbieter verbinden die Einlagerung mit Gutscheinen oder Ratenzahlung, sodass die Kosten planbar sind.
Was dagegen spricht und wo die Grenzen liegen
- Nach Einschätzung, die die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages zusammengefasst haben, ist die private Einlagerung zur Behandlung des eigenen Kindes nach heutigem Wissensstand medizinisch nicht begründet. Bei vielen Erkrankungen des Kindes sind eigene Stammzellen nicht geeignet, weil sie die Krankheitsanlage bereits enthalten können.
- Die Menge an Stammzellen in einer Einheit reicht oft nur für ein kleines Kind.
- Die private Einlagerung kostet Geld, ohne dass sicher ist, dass sie jemals genutzt wird.
- Wird das Abnabeln verzögert, damit mehr Blut zum Kind fließt (von vielen Kliniken empfohlen), bleibt weniger Blut für die Entnahme.
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Hebamme: Ob die Einlagerung in Ihrer Familie sinnvoll ist, hängt auch von Vorerkrankungen in der Familie ab. Die Entscheidung liegt bei Ihnen, eine Pflicht gibt es nicht.
Entscheidung vor der Geburt: was mit der Klinik zu klären ist
- Bietet die Klinik die Entnahme an, und arbeitet sie mit einer öffentlichen Spenderbank zusammen?
- Bei privater Einlagerung: Vertrag mit dem Anbieter rechtzeitig abschließen und das Entnahmeset mit in die Klinik nehmen.
- Die Entnahme im Geburtsplan oder bei der Anmeldung zur Geburt vermerken.
- Klären, wie Abnabeln und Entnahme in Ihrer Situation zusammenpassen.
Häufige Fragen zu Nabelschnurblut
-
Tut die Entnahme von Nabelschnurblut weh?
-
Was kostet die private Einlagerung von Nabelschnurblut?
-
Kann ich Nabelschnurblut kostenlos spenden?
-
Muss ich mich vor der Geburt entscheiden?
Quellen
- Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: Stammzellen aus Nabelschnurblut
- Transfusionsgesetz (TFG): Gesetz zur Regelung des Transfusionswesens
Das könnte Sie auch interessieren
Stand: November 2026.