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Elterngeld und Steuererklärung

07.07.2020

Während der Elternzeit ist das Geld oft knapp. Viele Eltern versuchen, das monatliche Einkommen möglichst hoch zu halten. Nicht selten wechselt der Arbeitende Partner in die günstigste Steuerklasse 3. Was im ersten Moment hilft, kann sich im Nachgang jedoch als teurer Fehler darstellen.

In diesem Artikel wird erklärt, welche Auswirkungen das Elterngeld auf die Einkommensteuer hat. In einem anderen Artikel lesen Sie, wie Sie ein höheres Elterngeld durch einen Steuerklassenwechsel erhalten können.

Die wichtigsten Fakten zu Elterngeld und EInkommensteuer
  • ✔ Wer mehr als 410€ Elterngeld im Kalenderjahr erhält, muss grundsätzlich eine Einkommensteuererklärung abgeben
  • ✔ Elterngeld ist steuerfrei, erhöht aber den Durchschnittssteuersatz bei Abgabe der Einkommensteuererklärung
  • ✔ Elterngeld wird auf dem Mantelbogen der Einkommensteuererklärung (Zeile 38) eingetragen
  • ✔ Die Elterngeldstelle hat die konkrete Höhe Ihres im Kalenderjahr zugeflossenen Elterngeldes dem Finanzamt bereits mitgeteilt (elektronische Datenübermittlung)
Die wichtigsten Tipps und Hinweise zu Elterngeld und Steuererklärung
  • ✔ Je weniger steuerpflichtiges Einkommen im Kalenderjahr, desto schwächer der Progressionseffekt.
  • ✔ Besonders „hart“ trifft es zusammen veranlagte Elternteile, bei denen einer sehr gut verdient und der andere ein hohes Elterngeld hat.
  • ✔ Legen Sie Geld für die Steuernachzahlung zurück, wenn der arbeitende Elternteil während der Elternzeit des Partners den Lohn mit Lohnsteuerklasse 3 besteuern lässt.
  • ✔ Lassen Sie frühzeitig Ihre Steuerschuld berechnen, damit keine „bösen Überraschungen“ auf Sie zukommen.
  • ✔ Bei den Progressionseinkünften gilt das Zuflussprinzip. Wenn der Elterngeldbezugsstart um den Jahreswechsel beginnt, planen Sie sorgfältig, in welchem Jahr es klüger ist, die erste (Nach-)Zahlung vom Elterngeld zu erhalten.
  • ✔ Es kann Sinn ergeben, den Zufluss des Elterngeldes durch ElterngeldPlus auf mehrere steuerliche Veranlagungszeiträume zu verteilen, um den Progressionseffekt abzuschwächen
Die Regelungen zum Elterngeld können sehr kompliziert sein. Lassen Sie sich professionell beraten. Hier gelangen Sie zu unserer Elterngeldberatung

Ist Elterngeld einkommensteuerpflichtig?

Nein, es ist sogar explizit steuerfrei, vgl. § 3 Nr. 67 lit. b) Einkommensteuergesetz. Das heißt, das Elterngeld wird von der Elterngeldstelle ohne steuerliche Abzüge 1:1 überwiesen.

Aber: Nach § 32b Abs. 1 S. 1 lit. j) Einkommensteuergesetz unterliegt das Elterngeld dem sogenannten Progressionsvorbehalt.

Der Progressionsvorbehalt bezeichnet einen besonderen Berechnungsvorgang in der Einkommensteuerermittlung, bei welchem steuerfreie Leistungen, indirekt den Steuersatz auf steuerpflichtige Einkünfte erhöhen.

Am besten lässt sich dies an einem einfachen Beispiel erklären:

Ihr steuerpflichtiges Einkommen in 2019 beträgt 50.000,- EUR. Der Steuersatz beträgt (schätzungsweise) 25%, die Einkommensteuer mithin 12.300,- EUR. Nun prüft das Finanzamt, ob Sie in diesem Jahr sogenannte Progressionsleistungen (Elterngeld, Mutterschaftsgeld, Krankengeld, Arbeitslosengeld I, etc.) erhalten haben. Nehmen wir an, dass Sie 10.000,- EUR Elterngeld erhalten haben. Ihr „fiktives“ steuerpflichtiges Einkommen beträgt nun 60.000,- EUR, der Steuersatz wäre ca. 27%.

Nun wird dieser (höhere) Steuersatz auf Ihre originär steuerpflichtigen Einkünfte angesetzt. Also auf 50.000,- EUR kommt nun ein Steuersatz von 27%, anstatt 25%. Die Einkommensteuer erhöht sich aufgrund des Elterngeldes um 1.200,- EUR auf 13.500,- EUR.

Die Auswirkung des Elterngeldes in diesem Beispiel betragen also 1.200€.

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Elterngeld in der Einkommensteuererklärung

Elterngeld trägt man, wie andere Einkommensersatzleistungen die dem Progressionsvorbehalt unterliegen (ALG I, Mutterschaftsgeld, Krankengeld, Kurzarbeitergeld, etc.), in der Zeile 38 des Mantelbogens der Steuererklärung, getrennt nach dem Empfänger und Leistungsart, ein.

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Die Elterngeldstelle hat dem Finanzamt die Höhe Ihres Elterngeldes bereits elektronisch übermittelt. Wenn Sie am Abrufverfahren der elektronischen Daten teilnehmen, können Sie das Elterngeld automatisch in die richtige Zeile übernehmen.

Tipp: Vom Elterngeld wird in aller Regel der Arbeitnehmer-Pauschbetrag in Höhe von 1.000€ abgezogen, wodurch sich der Progressionseffekt abmildert und effektiv Steuern gespart werden.

Das Finanzamt zieht diesen Pauschbetrag aktuell jedoch nicht ab, wenn bei den steuerpflichtigen Einkünften aus Nichtselbständiger Arbeit bereits höhere Werbungskosten als 1.000€ abgezogen wurden.

Hiergegen wurde eine Verfassungsbeschwerde eingelegt. Sie ist unter dem Aktenzeichen 2 BvR 3057/14 beim Bundesverfassungsgericht aktuell anhängig. Wir empfehlen, für alle betroffenen Veranlagungszeiträume das Rechtsmittel des Einspruches einzulegen, um auch in diesen Fällen den Pauschbetrag vom Elterngeld abgezogen zu bekommen. Nicht zuletzt ist dies geboten, um eine Gleichbehandlung mit Selbständigen zu gewährleisten, bei denen regelmäßig sämtliche Betriebsausgaben steuermindernd berücksichtigt werden und den Pauschbetrag zusätzlich vom Elterngeld abgezogen bekommen.

Aufgrund der Anhängigkeit beim Bundesverfassungsgericht dürften die Einsprüche von Gesetzes wegen bis zur Entscheidung durch das Bundesverfassungsgericht ruhen.

Wie vermeide ich eine Nachzahlung bei der Einkommensteuer?

Die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer. Das heißt, das Finanzamt überprüft mit Ihrer Steuererklärung wie viele Einkommensteuern Sie für das abgelaufene Kalenderjahr zahlen müssen.

Ob Sie nachzahlen müssen oder eine Erstattung bekommen hängt demzufolge davon ab, wie viel Sie vorausgezahlt haben. Es gibt verschiedene Varianten der Einkommensteuervorauszahlungen. Die bekanntesten sind wohl

  • die Lohnsteuern (Angestellte, Beamte, etc.),
  • die quartalsweisen Einkommensteuer-Vorauszahlungen (Selbständige, Gewerbetreibende, Vermieter, etc.) und
  • die Kapitalertragsteuern.

Wenn Sie allein veranlagt werden (ledige, dauernd getrennt lebende, etc.), besteht in aller Regel nur dann eine erhöhte Gefahr einer Nachzahlung, wenn Sie während des Elterngeldbezuges überdurchschnittlich hohes steuerpflichtiges Einkommen haben (zum Beispiel aufgrund von Vermietungseinkünften oder ähnlichem).

Zusammen veranlagte Paare sollten die Situation genauer prüfen. Die größte Gefahr einer Nachzahlung besteht, wenn beide Elternteile vor der Geburt überdurchschnittlich gut verdient haben und nach der Geburt ein Elternteil den Höchstbetrag des Elterngeldes bezieht während der andere Partner bei weiterhin hohem Einkommen in die Steuerklasse 3 wechselt, bzw. - wenn selbständig - die Einkommensteuer-Vorauszahlungen herabsetzen lässt.

"Die persönliche Einkommensteuerberechnung ist sehr komplex, da neben den steuerpflichtigen Einkünften und Progressionsleistungen auch noch viele weitere Faktoren (Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Steuerermäßigungen, etc.) die Höhe beeinflussen.

Pauschale Aussagen und Tipps sind deshalb nicht zutreffend, lassen Sie sich deshalb von Ihrem Steuerberater beraten und die voraussichtliche Einkommensteuerschuld prognostizieren, damit Sie nicht überrascht werden.”

FAQ - Elterngeld und Steuererklärung

Wo trage ich Elterngeld in der Steuererklärung ein?

Elterngeld ist, wie auch andere Progressionsleistungen, in der Zeile 38 des Mantelbogens einzutragen.

Wie viel Steuern muss ich wegen Elterngeld nachzahlen?

Eine pauschale Antwort ist aufgrund der Komplexität des Einkommensteuerrechts nicht möglich. Es hängt im Grunde davon ab, wie hoch die steuerpflichtigen Einkünfte sind und wie viel Einkommensteuer bereits vorausgezahlt wurde.

Wann muss Elterngeld versteuert werden?

Es zählt ein strenges Zuflussprinzip, das heißt, wenn Elterngeld in 2020 bezogen wurde, muss es in der Steuererklärung für 2020 angegeben werden (spätestens zum 31.07.2020, bzw. 31.12.2020 erklärt werden).

Ist Elterngeld steuerpflichtig?

Nein, es ist steuerfrei (vgl. § 3 Nr. 67 EStG). Es unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt nach § 32b EStG und erhöht deshalb den Steuersatz auf Ihr steuerpflichtiges Einkommen.

Muss ich wegen des Elterngeldes eine Einkommensteuererklärung abgeben?

Wer im Kalenderjahr mehr als 410 EUR Progressionsleistungen (ALG I, Mutterschaftsgeld, Elterngeld, Kurzarbeitergeld, etc.) erhalten hat, muss grundsätzlich eine Einkommensteuererklärung abgeben, damit das Finanzamt prüfen kann, ob man genug Einkommensteuer gezahlt hat.

Wenn man der Abgabeverpflichtung nicht nachkommt, wird das Finanzamt ggf. erst Jahre später auf Sie zukommen und Sie zur Abgabe auffordern.

Zu kompliziert? - Unser Tipp

Die Elterngeldregelungen können kompliziert sein. Machen Sie es sich einfach und nutzen Sie wie viele andere Eltern unsere Serviceangebote, um Ihr Elterngeld bestmöglich zu beantragen. Wir bieten Ihnen viele Möglichkeiten Ihren Elterngeldantrag so einfach und unkompliziert wie möglich zu erstellen:

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